Bye-bye Infotainment: «Licht aus … Spot an!»

Neimageulich, auf einer digitalen Zeitreise ins 20. Jahrhundert, habe ich meine damalige Lieblingssendung «Ilja’s Disco» wieder entdeckt. Die «Disco» war neben der «Hitparade» (Dieter-Thomas Heck), dem «Großen Preis» (Wim Thoelke) und «Dalli Dalli» (Hans Rosenthal) einst Garantin für den perfekten und unterbrechungsfreien Fernsehabend, zumal Fernbedienungen in den 1970er-Jahren erst aufkamen und ein Senderwechsel immer mit einem mühsamen Aufstehen verbunden war.

«Supergruppen» wie ABBA, Sweet oder Uriah Heep vermochten mich seinerzeit (notabene noch in schwarz-weiss) in den Bann zu ziehen, und auch Ilja’s Sketche (hier im Duett mit Udo Jürgens), die einem heute nurmehr ein müdes Lächen hervorzaubern, waren neben «Didi» und «Klimbim» tags darauf State of the Art auf dem Pausenhof.

 

Als Medienkonsumenten noch gänzlich unbedarft, waren wir nicht den falschen Versprechungen des heutigen «Infotainments» (vgl. Neil Postman, Wir amüsieren uns zu Tode, 1985) ausgesetzt, sondern durfen frisch und unbekümmert konsumieren: Unterhaltung war Unterhaltung, Nachrichten waren Nachrichten und Sendeschluss war Sendeschluss. Schluss, aus, vorbei.

Im Zeitalter von sterbenden Kabelnetzen und rostenden Satellitenschüsseln versprechen HD TVs mit Speicher- und Replayfunktion den Weg zurück ins gelobte Land der heissgeliebten Television, nur erfrischend angereichert um das Anything, anwhere, anytime. Denn für «Ilja’s Disco» brauche ich keine pseudodidaktische Herleitung à la Guido Knopp und Co., sondern will Unterhaltung pur. In diesem Sinne: «Licht aus … Spot an!»

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